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QUALITÄTSMANAGEMENT, ABER RICHTIG

August 17, 2025by Elke Mitterer

August, 2025 / BY MARTIN DÜR und ELKE MITTERER

https://www.syfox.at/public/blog/1014

Psychische Prävention bietet vielfältige Möglichkeiten zur Verhinderung von Unfällen.

Die technische Unfallprävention wie Sicherheitsgurt- und Airbag-Systeme in PKWs, Geländer bei Balkonen, abgerundete Kante bei Klettergerüsten für Kinder, Berücksichtigung ergonomischer Bedürfnisse bei der Ausstattung von Schulklassen etc. ist heute gelebte Praxis. Wir wissen aber, dass die Arbeitsfähigkeit nicht nur auf der technischen Unfallprävention beruht, sondern auch sehr stark von den psychischen und sozialen Gefährdungen abhängt (siehe ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, Bundesschutzgesetz).

Wie aber wissenschaftliche Studien immer wieder bestätigen, ist die Hauptunfallursache das menschliche Fehlverhalten. Dieses menschliche Fehlverhalten wird durch die psychischen Rahmenbedingungen innerhalb, aber auch außerhalb der Organisation stark beeinflusst. Arbeits- und Lebensverhältnisse prägen (gesundheitsförderndes) Verhalten. Positive Einflussfaktoren können beispielsweise ein gutes Betriebsklima, Vertrauen zu Vorgesetzten und Kollegen sein. Negative Einflussfaktoren können beispielsweise der Verlust eines geliebten Menschen, Mobbing, mangelnde psychische Aufarbeitung nach außergewöhnlichen Ereignissen (z.B. schwere Unfälle, physische Gewaltakte mit schweren Verletzungen) sein.

Die technische Unfallprävention ist nicht zuletzt wegen der medialen Berichterstattung in aller Munde. Die verschiedenen psychischen Aspekte eines Unfalles werden medial oft sehr lapidar unter dem Begriff „menschliches Versagen“ subsummiert. Der wirksame KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess) muss sowohl bei der Unfallprävention als auch bei der Unfallanalyse die verschiedenen psychischen Einflussfaktoren identifizieren.

Ein Unfall passiert nicht, sondern ist eine Verkettung von meist bekannten Missständen.

Dieser KVP ist in der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 unter dem Begriff PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) bekannt und könnte wie folgt aussehen:

  1. PLAN: Planung der Identifizierung psychologischer Einflussfaktoren in einer Organisation wie beispielsweise mit einer Kombination aus Sensibilisierungsschulungen und Fragebögen
  2. DO: Durchführung der Schulungen und der Befragung innerhalb der Arbeitszeit bzw. im Rahmen des Unterrichtes
  3. CHECK:  Überprüfung und Evaluierung der Befragungsergebnisse
  4. ACT: Umsetzung ausgewählter Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet aus den Befragungsergebnissen der Organisation

Ein weiterer Vorteil der laufenden Wiederholung des PDCA-Zyklus ist, dass alle Beteiligten einerseits laufend über psychische Einflussfaktoren durch Schulungen sensibilisiert werden und andererseits besser mit reaktiven psychischen Maßnahmen (z.B. nach schweren Unfällen, school shooting)  vertraut sind. Deshalb sollte der Notfallplan um eine psychische Erste Hilfe erweitert werden. Nur dann ist eine rasche Unterstützung bei traumatischen Ereignissen gewährleistet.